Sonntag, 9. November 2014

Erziehung

Hallihallo und einen wunderschönen Sonntag zusammen!

Meine Berichte werden bereits etwas seltener, was nicht daran liegt, dass ich nichts zu erzählen habe, sondern eher daran, dass ich entweder keine Zeit oder kein Internet zur Verfügung habe. Aber ich bemühe mich, regelmäßig von mir hören zu lassen, damit nicht plötzlich Gerüchte von einer verschollenen Gaflenzerin oder dergleichen in Umlauf geraten! Also..

Der Oktober wurde zu Ehren Mariens mit einem wunderschönen Rosenkranz zusammen mit allen Schwester, Postulantinnen, Aspirantinnen und Mädels vom Foyer abends draußen im Garten beschlossen. Der November begann sogleich mit einem Feierwochenende. Allerheiligen und Allerseelen bescherten uns eine Woche mit zwei Sonntagen. Doch außer der Tatsache, dass man sich überall fröhlich eine „bonne fête“ schien alles wie zuhause abzulaufen.

Nachdem nun auch das Schuljahr endlich richtig begonnen hat (nachdem eine Zeit lang nur die die Hälfte er Schüler anwesend war) kehrt auch beim sonntäglichen Oratorium (vgl. Jungschar) wieder Ordnung ein. Hierbei habe ich es irgendwie geschafft ab nun meine künstlerischen Talente im Malkurs (es werden verschiedene Aktivitäten, wie Tanz, Ballspiel, Theater,.. angeboten) ausleben zu dürfen. Jene, die mich besser kennen, wissen, dass diese mangelhaft bis gar nicht vorhanden sind. Aber ich werde meine ganze Kreativität zusammenpacken und versuchen mit den Kleinen irgendetwas Sinnvolles zu Papier zu bringen. Hat bis jetzt eigentlich sogar ganz gut funktioniert.

Letzten Samstag verließen wir zum ersten Mal unser heimeliges Cotonou und besuchten Porto-Novo, die Hauptstadt Bénins. Normalerweise denkt man bei Hauptstadt an Trubel, Lärm, Verkehr und Menschenmassen. Nicht so in Bénin. In Porto-Novo findet man zwar das politische Zentrum, wirtschaftlich gesehen ist jedoch Cotonou die wichtigste Stadt. So wurden wir von vergleichsweise ruhigen Straßen, schönen Plätzen und sogar einem Park überrascht. Wir besuchten das Museum „da Silva“, in dem die kulturellen Ähnlichkeiten zwischen Brasilien und Bénin aufgrund des ehemaligen Sklavenhandels sehr interessant präsentiert wurden. Damit war unser touristisches Interesse aber auch schon wieder abgedeckt und wir genossen noch ein bisschen die ruhige Atmosphäre, bevor wir uns wieder mit 20 Personen in einen Kleinbus bequemten um die Rückfahrt anzutreten.

Am Sonntag durfte ich zum ersten Mal meine béninischen Kochkünste ertesten. Wir waren bei einer Freundin zum Essen eingeladen – selbst gemacht. Es ging auch gar nicht so schlecht und so stand schon bald „pâte“ (Brei vom Maismehl) mit grünem Gemüse und Fisch (die Frage „welcher Fisch?“ wird mit einem verständnislosen Blick und „Fisch“ beantwortet) auf dem Tisch. Bemerkenswerterweise war das Ganze sogar essbar.

Diesen Freitagnachmittag hatte ich zum vorerst letzten Mal das Vergnügen, mit dem Pilogue in den „centre préscolaire des soeurs salésiennes“ in Toyoyomey zu fahren und die Kinder auf den Schulalltag vorzubereiten, denn ab nächster Woche werde ich meine Nachmittag in einem anderen Viertel (Gidgé) verbringen. Die Arbeit wird dieselbe sein, nur die Kinder und die Animateure hatte ich eigentlich schon ganz lieb gewonnen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir schon nach dieser kurzen Zeit die Tränen ein wenig zurückhalten musste, nachdem ich davon erfuhr. Aber nachdem der letzte Tag nocheinmal so richtig schön war, konnte ich die 1,5 Monate schön abschließen und auf jeden Fall sehr viele Erfahrungen daraus mitnehmen.

Diese Woche kam eine neue Volontärin ins Maison du Soleil (Haus für junge Mütter mit ihren Kindern). Die 26-jährige Laure arbeitete bereits in Frankreich in einer Krippe und das macht die ganze Sache eigentlich sehr interessant, da sie wieder auf eine ganz andere Art und Weise mit den Kindern arbeitet. Zwischendurch erklärt sie mir immer einiges, was bei Kindern (laut französischer Ausbildung) zu beachten ist und ich stelle fest – die Mischung machts.
Allgemein habe ich hier schon einige Erziehungsmethoden beobachtet, an deren Sinnhaftigkeit ich zweifle. Oft werden aus Emotionen heraus Kinder angeschrien, die nicht wirklich etwas angestellt haben. Es gibt Kinder, die geschlagen werden. Nicht überall, nicht immer, aber es ist nicht ungewöhnlich. Ich habe mir schon häufig darüber Gedanken gemacht, ob die Mütter hier weniger sensibel sind. Doch im Endeffekt hat Erziehung doch den Sinn ein Kind auf das Leben vorzubereiten und es in der Gesellschaft einzugliedern. Ich möchte nicht unterstellen, dass man in Österreich nichts für sein Geld tun muss, aber wer wirklich will, hat IMMER die Möglichkeit gut zu überleben. Hier allerdings, auf dem Markt Dantokpa, kann es schonmal passieren, dass man ohne Nahrung und Unterkunft ankommt, wenn man nicht hart genug gearbeitet hat. Es gibt keine Suppenküche, in die man zur Not einkehren kann. Es gibt auch kein Arbeitsamt oder Arbeitslosengeld. Das Leben hier ist einfach härter und so ist es eigentlich nur verständlich, dass auch die Erziehung strenger erfolgt und lehrt sich durchzusetzen. Ich möchte auf keinen Fall Gewalt verherrlichen, schon gar nicht Kindern gegenüber, aber es ist wichtig zu verstehen, dass dies oft nicht aus Hass oder purer Lust heraus passiert, sondern durchaus als Methodik zur Erziehung verstanden wird.

Ein Thema, nachdem ich doch noch häufig gefragt werde ist, ob es denn hier auch keine Ebola-Ansteckungsgefahr gibt. Und nein, gibt es nicht. Es wird sehr stark präventiv dagegen angekämpft durch Desinfektionsmittel an öffentlichen Orten und dem Unterlassen des Friedenszeichens in der Messe. Aber im Großen und Ganzen bekomme ich davon nicht wirklich viel mit, außer den zahlreichen Witzchen, die man zu hören bekommt, wenn man einmal hustet oder niest.


C'est ca. Au revoir :)