Sonntag, 28. September 2014

Wochenende

Anders als daheim erholt man sich nicht währrend der Woche vom anstrengenden Woche, sondern sonderbarerweise umgekehrt. Freitag hat es richtig stark geregnet, darum haben wir einen Faulenzerabend mit gemütlichem Essen und dem Liederberg 3 gemacht. Samstag ist Arbeitstag. Bis 8 Uhr hat man Zeit zu frühstücken. Dann wird spätestens abgeräumt und alles geputzt. Fenster, Böden, Kleidung,.. Das ist allerdings sehr gemütlich, wir nehmen uns meistens den ganzen Vormittag Zeit bis wir um 12:30 Uhr zum Mittagessen gemeinsam mit den Schwestern schreiten. Das Essen hier ist nebenbei erwähnt echt lecker. Sämtliche Gruselgeschichten über megascharfes und überwürzte Gerichte haben sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet. Besonders hier bei den Schwestern die aus Italien, Spanien, Togo, Bénin, Côte d'Ivoire, Costa Rica, Burkina Faso und Ecuador gibt es selten (zu) traditionelle Gerichte. Außerhalb dieser Welt (bei den Aspirantinnen, im Foyer,..) sieht es schon etwas anders aus und es fällt schon etwas schwerer dem Höflichkeitskodex (nichts übriglassen und alles probieren) zu entsprechen. Zum Beispiel bei halbrohem Hähnchen oder allgemein viel zu großen Portionen, aber bis jetzt war noch nichts richtig Tragisches dabei, mal schaun..

Auf jeden Fall können wir den Samstagnachmittag frei planen, solange wir um 19 Uhr bei den Mädels im Foyer zum Abendessen bereit stehen. Diesmal sind wir also mit einer béninischen Volontärin zum Strand. Und, auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, der Strand war sauber und die Luft war frisch, es war herrlich. Besonders spannend für die heimischen Meeresgenießer wurde es, als sich plötzlich zwei Yovos („Weiße“) in die Wellen warfen. Wir wurden sofort zu Hauptattraktion, obwohl neben uns ein Junge mit Tellern jonglierte, was meiner Meinung nach doch definitiv beeindruckender war. Abends wurden wir von zwei
war ich dann im Facebook, also einer Bar mit Live-Musik. Wir tranken béninisches Bier und bekamen von zwei Studenten, die uns begleiteten (ohne männliche Begleitung würden wir dann wohl doch nicht mehr raus, wenns dunkel ist) Curry-Hühnchen spendiert. Im Dunkeln war es nicht einfach zu erkennen, wo viel und wo wenig Curry ist, was bei mir beinahe zu Verbrennungen im Mundbereich geführt hätte^^


Sonntag der obligatorische Messbesuch entweder Vormittags um 9 Uhr oder abends um 18:30 Uhr. Sonst haben wir am Sonntag eigentlich keine Verpflichtungen außer dem Mittagessen um 12:30 Uhr mit den Schwestern und dem Abendessen nach der Abendmesse mit den Aspirantinnen, also eigentlich nichts worüber man sich beschweren könnte. Ich war in der Vormittagsmesse, das ist eher die Kindermesse, in die die Mädels vom Foyer auch gehen und sie freuen sich immer riesig wenn die „Tatas“ auch da sind. Am Nachmittag werde ich zum Oratorium gehen, wo zwei Stunden lang Basketball, Fußball oder derlei Aktivitäten praktiziert werden.

So siehts aus..

Freitag, 26. September 2014

Es läuft..

Hallihallöchen vom Popöchen der Erde :P
na, Scherzal fias Herzal, eigentlich bin i do jo sogoa ziemlich im Zentrum! Man merkts unter Anderem daran, dass einem hier IMMER zahlreiche Leute begegnen und keiner ohne ein höfliches „Yovo, bonsoir!“ („Weiße, guten Abend“) im Vorbeigehen loszulassen. Freundlichkeit scheint mir wird hier allgemein sehr groß geschrieben. Zum Beispiel wird dir nie eine Marktdame böse hinterherschaun weil du bei ihr nicht einkaufst, obwohl du vorher schon bei fünf verschiedenen Produkten nach dem Preis gefragt hast.

Dasselbe gilt bei Heiratsanträgen.. Diese sind zwar oft ein klein wenig aufdringlich, aber sie werden letzten Endes mehr oder weniger akzeptiert. Diese verlaufen eigentlich immer gleich. Man wird mit einem kurzen „Wie geht’s?“ in Smalltalk verwickelt und die Fragen werden dann ein bisschen präziser: „Woher kommst du? Hast du eine Familie? Einen Mann? Kinder? Nimmst du mich mit nach Österreich? Willst du mich heiraten?“ Ein wenig spannender wurde die Sache, als mein Zem (Mopedtaxifahrer) während der Fahrt anfing, mich auszufragen. Als ich dann mit Verständnisproblemen auszuweichen versuchte, hielt er einfach mal an, um mir einen Antrag zu machen. Nach etlichen Minuten der Herausrederei gab er es auf und die Sache schien abgehakt. Nach kurzer Fahrt der nächste Halt, denn es könnte doch sein, dass ich noch heiratsfähige Schwestern, Cousinen oder Töchter habe.? Allerdings ist es schwierig, dann noch höflich und vor allem unsarkastisch zu bleiben, wenn man sich auf dem Weg zur Arbeit befindet und sich die Gedanken um ganz andere Sachen als Ehe und Familienplanung drehen. Beim letzten Versuch meine Handynummer zu erfragen, war ich zum Glück schon abgestiegen und konnte „fliehen“. Aber natürlich muss man auch bedenken, dass es hier als der Schlüssel zum Glück angesehen wird, eine Ehe in den reichen Westen einzugehen.

So weit so gut.. zu unserer neusten Errungenschaft in der Volontärshöhle: eine Gitarre! JA, Anita ist glücklich! Heute hatten wir schon unseren ersten Liederabend mit Liedern auf Deutsch und Englisch – zwei Sprachen, die in dieser Welt hier nicht existieren und die man auch unter den Leuten zu meiden versucht, da man sofort als Tourist und Yovo abgestempelt werden würde.


Sonntag, 21. September 2014

1. Meldung

Hallihallo, das mit dem Internetzugang ist hier so eine Geschichte, aber was soll man machen!
Also ich bin ja hier jetzt schon so ein bisschen angekommen und habe die erste Arbeitswoche mit ihren zahlreichen Eindrücken bereits hinter mir.
Gefühlsmäßig befinde ich mich gerade irgendwo zwischen grenzenloser Euphorie, dass ich jetzt endlich hier sein darf und mein Ziel, auf das ich nun doch schon einige Zeit hingearbeitet habe, erreicht habe und natürlich den Gedanken an meine natürlich ebenfalls geliebte Heimat, die ich jetzt wohl länger nicht zu Gesicht bekommen werde.

Auf jeden Fall bin ich hier in die besten Hände geraten. Ich lebe hier mit drei anderen Volontären (Sarah, Anna und Monica) in einer WG und wir haben meistens sogar Wasser, Strom und von Zeit zu Zeit Internet. Das Ganze befindet sich im Haus der „soeurs salésiennes“ (deren 10), bei denen wir auch oft essen und eben untertags plaudern oder bei kleinen und größeren Problemchen immer um Hilfe ansuchen können. Das stellt also ungefähr mein engeres soziales Umfeld dar.
Arbeitsmäßig komme ich besser zurecht als erwartet. Ich kann vormittags im „maison du soleil“ arbeitet, also im Haus für junge Mütter (zwischen 14 und 18). Währrend die Mütter arbeiten, können sie ihre Kinder hier lassen und ich habe dann die schöne Aufgabe aufzupassen, dass sie sich in der Zwischenzeit nicht verletzen, umbringen oder verhungern. Es sind acht Kids, die meisten recht aufgeweckt, und so wird es natürlich nie langweilig.
Am Nachmittag bin ich meistens im „espace éveils“ in Toyoyomey. Hier arbeite ich mit Jean zusammen und versuche 24 Acht- bis Vierzehnjährigen Schreiben, Lesen und Rechnen beizubringen. Funktioniert derweil eigentlich auch ganz gut!

Freitag waren wir so mehr Richtung Großstadt unterwegs zur „Africa fête“ mit Bands aus verschiedenen Teilen Afrikas, unter Anderem der „Brass Banda“, eine barfuß-spielende Band mit Blasinstrumenten, kommt das jemandem bekannt vor?
Gestern waren wir beim Abendessen mit den „filles du foyer“. Das ist sozusagen ein Internat für Mädels. Meistens stammen sie aus komplizierteren Familienverhältnissen und haben hier die Möglichkeit die Schule zu besuchen und in einer Gemeinschaft zu leben. Als ich zum ersten Mal beim Abendgebet sah, war es richtig ergreifend wie innig sie Gott loben und der Geschichte der Verkündigung Jesu Geburt zuhören. Ich hatte mir sofort ein Bild gemacht von tiefgläubigen Kindern, die nichts lieber tun, als zu beten und brav die Schule zu besuchen. Doch diesmal erlebte ich sie mehr als die kleinen „Tussis“ mit verschiedenen Nagellacken, Haarreifen und anderem Bling Bling, um ja so schön wie die Frauen in den Telenovelas und auf den Plakaten für die Wahl zur Miss Bénin zu sein.

Heute morgen um 09:00 Uhr war es Zeit für die Hl. Messe. Man muss den Weg in die Kirche allerdings nicht wissen, weil man sich sowieso nur zum Tor stellen braucht und von den Mädels hingezogen wird. Ich habe vorher schon viel gehört von Messen, bei denen die Menschen mehr oder weniger zwei Stunden lang durch die Kirche singen und tanzen. Für mich konnte ich jedoch nicht wirklich große Unterschiede erkennen. Es gibt einen Altar mit Christusstatue, den Kreuzweg an der Wand, einen Chor und Kinder, die nicht still halten können. Der Pfarrer war ein bisschen lockerer und die Kirche war gefüllt, aber es ist definitiv kein Zeltfest, dass hier in der Kirche veranstaltet wird ;)

Sonntag, 14. September 2014

on se way

Griaß eich de Madln, servus de Buam!

Allem voran möchte ich mich hier pauschal für alle Glückwünsche und guten Gedanken (und Bilderrahmen, Bücher, Spenden, Feuerwerk!,..), mit denen ihr mir den Abschied zwar nicht erleichtert, aber auf jeden Fall verschönert habt, bedanken! Es ist schön zu wissen, dass man bei einem solchen Abenteuer auch von zuhause Rückhalt spürt.

Gerade befinde ich mich noch hier in Äthiopien in riesiger Vorfreude auf den morgigen Tag, an dem ich endlich Cotonou, Bénin (Westafrika) erreichen werde. Der Flug verlief reibungslos, alles tip top!