Samstag, 10. Januar 2015

la fête

Eigentlich ist sie ja schon fast wieder vorbeigezogen, trotzdem möchte ich euch noch einen kleinen Eindruck davon dalassen, wie ich hier die Weihnachtszeit verbringe.

Begonnen hat das Ganze eigentlich eher mit der Sehnsucht nach ein wenig kühler Luft, Glühwein, Stille und einem Adventkranz, als ich am Vorabend des ersten Adventsonntages die Adventkranzsegnung in Gaflenz verpasste. Mir wurde schnell klar, dass ich wohl eher wenige Traditionen hier in Cotonou wiederfinden würde und eine Zeit der Stille und Besinnlichkeit in diesem Ort einfach nicht existiert.

Am ersten Advent machten wir Volontäre gemeinsam mit Soeur Sylvia einen Ausflug nach Ouidah (45 Autominuten entfernt). Nach unserem Tourismusprogramm holten wir unsere Badesachen und nach ein paar Runden im Pool machten wir noch einen gemütlichen Strandspaziergang. Von Weihnachtsstimmung keine Spur..

Mit Sara am Strand von Ouidah

Sankt Nikolaus kennt man hier nicht Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen ein gutes Frühstück mit Äpfel, Orangen, Schokolade, Gewürzkuchen und der Geschichte des Hl. Bischofs zu bereiten. Nachdem die Schwestern bis jetzt auch immer brav waren, ließen wir die Sache mit dem Krampus heuer außen vor. Stattdessen gab es zum Abendessen für alle Bratäpfel zum Nachtisch!

Ein sehr schöner Brauch ist die Weihnachtsfeier der Mädels vom Foyer. Nachdem einige die Weihnachtsferien bei ihren Familien verbringen, findet diese schon verfrüht am Samstag vor dem 24. statt. Die gesamte Gemeinschaft bestehend aus Schwestern, Aspirantinnen, Postulantinnen, Volontäre und die rund 80 Mädels mit ihren Tatas (Erzieherinnen) versammelt sich in der Festhalle und jeder präsentiert eine Kleinigkeit. So wurden wir von Krippenspielen, Tänzen, Gesang und Theatereinlagen unterhalten und brachten uns bei Anbruch der Dunkelheit mit einem besinnlichen Teil, bestehend aus einem deutschen Lied und Sternspritzern, ein.

Weihnachtsfeier#2 erlebte ich in meinem „espace eveils“ (Vorschule) in Djijdjè. Wir hatten das ganze Monat über Vorbereitungen getroffen, gebastelt, Lieder und Gedichte einstudiert und so versammelten sich am Montagvormittag alle Kinder gespannt mit ihren Eltern im Hof vor der Baracke. Ein DJ machte uns die Musik, es gab einen Tanzwettbewerb, Lieder und Gedichte wurden präsentiert und zum Highlight der Feier erschien plötzlich Papa Noel, der die (zuvor von den Eltern abgelieferten) Geschenke verteilte. Abschließen wurden noch Baguettes und Getränke verteilt und wir konnten das gemeinsame Arbeitsjahr gut abschließen.

#3 folgte am Dienstag im „Maison de l'esperance“ (Ausbildungsstätte). Hier sind die „Kinder“ (14-18) schon etwas größer, doch auch hier ließ es sich Papa Noel nicht nehmen vorbeizuschauen und nahm sogar noch Mama Noel als Hilfe mit. Es wurde die Messe abgehalten und anschließend das Programm von den Schülern selbst mit tollen Showeinlagen gestaltet

Der 24. Dezember selbst hat hier keine große Bedeutung. Tagsüber verschanzten wir uns in unserer Weihnachtswerkstatt und überall wurden letzte Vorbereitungen getroffen. Am Abend besuchten wir die Hl. Messe. Diese glich einer Sonntagsmesse und wurde von einem Chor außerordentlich schwungvoll und mitreißend gestaltet. Von einer stillen Nacht kann hier also wirklich keine Rede sein. Danach ging es zurück ins traute Heim und es wurde der Abend mit einem kleinen Imbiss (Kekse, Popcorn, Würstchen im Schlafrock,..) gemütlich beschlossen..

Die eigentliche „Fête“ fand dann am 25. statt. Fête bedeutet richtig gutes Mittagessen, zubereitet von unserer Haubenköchin Schwester Yvette. Nach den Grillspießen fanden sich Schwestern, Aspirantinnen, Postulantinnen und wir Volontäre in der Festhalle ein und jedes Grüppchen präsentierte eine Kleinigkeit. Hierbei bot sich endlich die Gelegenheit unsere heimischen Weihnachtslieder auch in Afrika zu trällern.
Als wir anschließend die festlich geschmückte Kirche betraten, entdeckten wir sogleich eine Menschenschar, wild gestikulierend und in Aufregung, vor dem Altar. Mit der Zeit wurde klar, dass es sich dabei um ein sehr authentisch präsentiertes Krippenspiel in der regionalen Sprache Fon handelte. Mit singenden Engeln, schreienden Wirten und Hirten, die ein echtes Schaf darbrachten, wirkte das Ganze auch wirklich sehr lebendig.

Den Silvesterabend verbrachten wir im Norden. Zum Glück machten wir auf unserer Reise bald einheimische Bekanntschaften, die uns das Feiern auf Béniner Art beibrachten. So begannen wir den Abend mit "Pâte rouge" (Maisbrei mit Tomatensoße) und Hühnchen. Danach ging es auf zur Verkostung von "Djukutou" (Anm.: Schreibweise vermutlich nicht korrekt), also das ziemlich herbe Bier des Nordens. Zum Anstoßen aufs alte und aufs neue Jahr verlagerten wir die Fête dann in eine etwas größere Buvette, in der wir dann ins Jahr 2015 tanzten.

Die heiligen drei Könige kennt man. Es herrschte jedoch allgemeine Verwunderung darüber, dass es dafür tatsächlich einen festen Feiertag gibt und die österreichischen Ferien tatsächlich bis zu diesem unscheinbaren Tag andauern.

Allgemein spielt hier Musik und Tanz eine große Rolle. Schon im Alltagsleben gibt es hier keine Minute, in der nicht aus irgendeiner Buvette (kleines Lokal), aus Geschäften oder aus Boxen auf der Straße Lieder dröhnen. Bei Festen allerdings gibt es gar kein Halten mehr. Beim Fest mit den Kindern, in der Kirche und mit den Schwestern wird getanzt, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Das Ganze beginnt schon von klein auf. Bereits im Maison du Soleil beginnen die fast noch Babys mit dem Hintern zu wackeln, wenn sie rythmische Schläge auf dem Tamtam oder Musik aus dem Fernseher wahrnehmen. So darf es einen auch nicht wundern, wenn sich die Menschen hier zu Musik bewegen, wie man es bei uns nur selten sieht. Jedes Land bzw. jede Region hat dabei eigene Besonderheiten bzw. Traditionen, die sich im Tanz widerspiegeln, aber im Endeffekt geht es einfach darum, sich dem Rythmus entsprechend nach Lust und Laune zu bewegen.

Also alles in allem kann ich die Feiertage hier nur positiv in Erinnerung behalten, jedoch muss ich zugeben, bei 30°C habe ich es nicht wirklich geschafft, in die gewohnte Weihnachtsstimmung zu kommen. Ich habe ein bisschen versucht, mit selbstgebackenen Keksen (Rosinenbusserl) und Bratäpfeln nachzuhelfen, aber ja, es war auf jeden Fall ein sehr schönes Fest und besinnlich kann ich ja nächstes Jahr wieder feiern.