Hallihallo und einen wunderschönen
Sonntag zusammen!
Meine Berichte werden bereits etwas
seltener, was nicht daran liegt, dass ich nichts zu erzählen habe,
sondern eher daran, dass ich entweder keine Zeit oder kein Internet
zur Verfügung habe. Aber ich bemühe mich, regelmäßig von mir
hören zu lassen, damit nicht plötzlich Gerüchte von einer
verschollenen Gaflenzerin oder dergleichen in Umlauf geraten! Also..
Der Oktober wurde zu Ehren Mariens mit
einem wunderschönen Rosenkranz zusammen mit allen Schwester,
Postulantinnen, Aspirantinnen und Mädels vom Foyer abends draußen
im Garten beschlossen. Der November begann sogleich mit einem
Feierwochenende. Allerheiligen und Allerseelen bescherten uns eine
Woche mit zwei Sonntagen. Doch außer der Tatsache, dass man sich
überall fröhlich eine „bonne fête“ schien alles wie zuhause
abzulaufen.
Nachdem nun auch das Schuljahr endlich
richtig begonnen hat (nachdem eine Zeit lang nur die die Hälfte er
Schüler anwesend war) kehrt auch beim sonntäglichen Oratorium (vgl.
Jungschar) wieder Ordnung ein. Hierbei habe ich es irgendwie
geschafft ab nun meine künstlerischen Talente im Malkurs (es werden
verschiedene Aktivitäten, wie Tanz, Ballspiel, Theater,.. angeboten)
ausleben zu dürfen. Jene, die mich besser kennen, wissen, dass diese
mangelhaft bis gar nicht vorhanden sind. Aber ich werde meine ganze
Kreativität zusammenpacken und versuchen mit den Kleinen irgendetwas
Sinnvolles zu Papier zu bringen. Hat bis jetzt eigentlich sogar ganz
gut funktioniert.
Letzten Samstag verließen wir zum
ersten Mal unser heimeliges Cotonou und besuchten Porto-Novo, die
Hauptstadt Bénins. Normalerweise denkt man bei Hauptstadt an Trubel,
Lärm, Verkehr und Menschenmassen. Nicht so in Bénin. In Porto-Novo
findet man zwar das politische Zentrum, wirtschaftlich gesehen ist
jedoch Cotonou die wichtigste Stadt. So wurden wir von
vergleichsweise ruhigen Straßen, schönen Plätzen und sogar einem
Park überrascht. Wir besuchten das Museum „da Silva“, in dem die
kulturellen Ähnlichkeiten zwischen Brasilien und Bénin aufgrund des
ehemaligen Sklavenhandels sehr interessant präsentiert wurden. Damit
war unser touristisches Interesse aber auch schon wieder abgedeckt
und wir genossen noch ein bisschen die ruhige Atmosphäre, bevor wir
uns wieder mit 20 Personen in einen Kleinbus bequemten um die
Rückfahrt anzutreten.
Am Sonntag durfte ich zum ersten Mal
meine béninischen Kochkünste ertesten. Wir waren bei einer Freundin
zum Essen eingeladen – selbst gemacht. Es ging auch gar nicht so
schlecht und so stand schon bald „pâte“ (Brei vom Maismehl) mit
grünem Gemüse und Fisch (die Frage „welcher Fisch?“ wird mit
einem verständnislosen Blick und „Fisch“ beantwortet) auf dem
Tisch. Bemerkenswerterweise war das Ganze sogar essbar.
Diesen Freitagnachmittag hatte ich zum
vorerst letzten Mal das Vergnügen, mit dem Pilogue in den „centre
préscolaire des soeurs salésiennes“ in Toyoyomey zu fahren und
die Kinder auf den Schulalltag vorzubereiten, denn ab nächster Woche
werde ich meine Nachmittag in einem anderen Viertel (Gidgé)
verbringen. Die Arbeit wird dieselbe sein, nur die Kinder und die
Animateure hatte ich eigentlich schon ganz lieb gewonnen. Ich muss
ehrlich sagen, dass ich mir schon nach dieser kurzen Zeit die Tränen
ein wenig zurückhalten musste, nachdem ich davon erfuhr. Aber
nachdem der letzte Tag nocheinmal so richtig schön war, konnte ich
die 1,5 Monate schön abschließen und auf jeden Fall sehr viele
Erfahrungen daraus mitnehmen.
Diese Woche kam eine neue Volontärin
ins Maison du Soleil (Haus für junge Mütter mit ihren Kindern). Die
26-jährige Laure arbeitete bereits in Frankreich in einer Krippe und
das macht die ganze Sache eigentlich sehr interessant, da sie wieder
auf eine ganz andere Art und Weise mit den Kindern arbeitet.
Zwischendurch erklärt sie mir immer einiges, was bei Kindern (laut
französischer Ausbildung) zu beachten ist und ich stelle fest –
die Mischung machts.
Allgemein habe ich hier schon einige
Erziehungsmethoden beobachtet, an deren Sinnhaftigkeit ich zweifle.
Oft werden aus Emotionen heraus Kinder angeschrien, die nicht
wirklich etwas angestellt haben. Es gibt Kinder, die geschlagen
werden. Nicht überall, nicht immer, aber es ist nicht ungewöhnlich.
Ich habe mir schon häufig darüber Gedanken gemacht, ob die Mütter
hier weniger sensibel sind. Doch im Endeffekt hat Erziehung doch den
Sinn ein Kind auf das Leben vorzubereiten und es in der Gesellschaft
einzugliedern. Ich möchte nicht unterstellen, dass man in Österreich
nichts für sein Geld tun muss, aber wer wirklich will, hat IMMER die
Möglichkeit gut zu überleben. Hier allerdings, auf dem Markt
Dantokpa, kann es schonmal passieren, dass man ohne Nahrung und
Unterkunft ankommt, wenn man nicht hart genug gearbeitet hat. Es gibt
keine Suppenküche, in die man zur Not einkehren kann. Es gibt auch
kein Arbeitsamt oder Arbeitslosengeld. Das Leben hier ist einfach
härter und so ist es eigentlich nur verständlich, dass auch die
Erziehung strenger erfolgt und lehrt sich durchzusetzen. Ich möchte
auf keinen Fall Gewalt verherrlichen, schon gar nicht Kindern
gegenüber, aber es ist wichtig zu verstehen, dass dies oft nicht aus
Hass oder purer Lust heraus passiert, sondern durchaus als Methodik
zur Erziehung verstanden wird.
Ein Thema, nachdem ich doch noch häufig
gefragt werde ist, ob es denn hier auch keine Ebola-Ansteckungsgefahr
gibt. Und nein, gibt es nicht. Es wird sehr stark präventiv dagegen
angekämpft durch Desinfektionsmittel an öffentlichen Orten und dem
Unterlassen des Friedenszeichens in der Messe. Aber im Großen und
Ganzen bekomme ich davon nicht wirklich viel mit, außer den
zahlreichen Witzchen, die man zu hören bekommt, wenn man einmal
hustet oder niest.
C'est ca. Au revoir :)
