Sonntag, 5. Oktober 2014

ca va mieux

Unter Autoren würde man meine derzeitige Situation als Schreibblokade deklarieren. Nicht, dass es nichts zu erzählen gäbe, denn es passiert wirklich jeden Tag irgendetwas Neues, aber es ist einfach alles so normal hier, dass ich gar nicht recht weiß, was für zuhause erzählenswert ist, aber ich werds mal versuchen.

Meine Woche war echt toll. Im „Maison du Soleil“ fühle ich mich sowieso schon rundum wohl und lerne nun auch die Mütter der Kinder, um die ich mich kümmere, immer besser kennen.
Bisher war eher das „espace eveils“ in Toyoyomey mein Sorgenkind. Ich arbeite hier zusammen mit Jean, einem ehemaligen Professor, der seine Schüler und die Gesamtsituation bestens im Griff hat. Der Nachmittagsunterricht läuft meist ziemlich ähnlich ab mit mir unbekannten Liedern zum Einstieg, Zeichen- oder Bastelarbeit, Lese- und Rechenunterricht in zwei Gruppen aufgeteilt und zum Abschluss noch ein paar Lieder. Ich hatte nicht wirklich eine Aufgabe und war mehr die stille Zuseherin (nicht gerade das, was man sich unter Volontariat vorstellt^^). Inzwischen lerne ich allerdings den Ablauf schon immer besser kennen und wir teilen uns die Arbeit immer mehr auf.
Weniger erfreulich fand ich das Gespräch mit einem etwa 9-Jährigen, der mir mal so nebenbei erklärte, dass es hier häufiger mal Schlangen gibt (liegt ja direkt am, fast schon im, See) und ich sollte mir vielleicht einen Stein bereithalten, um sie zu erschlagen, das funktioniert meistens recht gut. – danke, dann bin ich ja beruhigt.

Mittwoch wurden wir von unserer Schwester Oberin mittags zum Essen ausgeführt ins „Mamma Mia“, ein italienisches Restaurant. Das Besondere war jedoch nicht die exkklusive Pasta und das ziemlich leckere Parfait, sondern die Tatsache, dass dieses Restaurant von den Schwestern finanziert wird. Hier können die Mädchen, die im „Maison de l'esperance“ ihre Ausbildung gemacht haben, ihr Praktikum absolvieren. Ich hatte eigentlich geglaubt das Projekt zu kennen, aber es gibt scheinbar noch einiges mehr, was die Schwestern schon so alles aufgebaut und finanziert haben. Unter Anderem eine sonderpädagogische Hochschule, die wirklich gut ausgestattet ist und eine ausgezeichnete Ausbildung bietet. Nur mal so nebenbei erwähnt..

Am Freitag war eine Frau auf der Suche nach dem Maison du Soleil. Sie hatte ihr 4-monatiges Kind dabei und fragte mich, ob man hier auf Kinder aufpasst. Ich wollte sie zu Tata Anna (der Verantwortlichen) bringen. Diese beauftragte mich prompt mit dem Ausführen des „Aufnahmegesprächs“, bei dem ich noch nie dabei war. Ich fühlte mich heillos überfordert und begann einfach mit ihr über ihre Situation zu sprechen und es war wirklich interessant. Keine Ahnung, ob ich pädagogisch wertvoll gehandelt habe, aber sie fühlte sich zumindest halbwegs verstanden und sie schien mir zu vertrauen (was wichtig ist, aber nicht unbedingt einfach als Weiße). Das Problem war jedoch, dass sie mit ihren 19 Jahren nicht mehr als Minderjährig gilt und deshalb eigentlich nicht zur Zielgruppe der Einrichtung gehört. Da ihr genaues Geburtsdatum jedoch nicht bekannt ist, könnte sie auch noch als „mineur“ durchgehen und das macht die Sache durchaus kompliziert. Die Sache wird sich morgen mit der zuständigen Sozialpädagogin klären und ich hoffe, sie wird aufgenommen, da ich dem 4 Monate altem Joseph kein Leben als Marktkind wünsche..

Am Samstag war ein Tag der Volontärinnen. Zu Mittag waren diesmal nicht nur wir, sondern auch drei Französinnen, eingeladen. Es war interessant sich ein bisschen auszutauschen und am Abend fanden wir uns alle bei der „nuit blanche“ wieder, wo Artisten ihre Kultur präsentierten. So bekamen wir unter Anderem einiges vom Voodoo-Kult zu sehen, der ja in Bénin seine Wurzeln hat. Was Voodoo genau ist, kann ich noch nicht wirklich sagen. Klar ist, dass es nichts mit Menschen zu tun hat, die andere via Puppen verletzten, sondern eher mit dem Glauben an verschiedene Götter, wobei zum Beispiel der Bäcker einen anderen Gott hat, als der Bauer (soweit ich das verstanden habe, Angaben ohne Gewähr).

Heute nachmittag war wieder Oratorium, wobei ich versuchte ein paar Mädels das Gitarre spielen beizubringen. Das Ganze wird jedoch von ständigen Streitereien um die Gitarre erschwert und ich glaube ich werde zukünftige Gitarrenstundenwünsche auf Einzelstunden reduzieren. Abends war ich in der Messe, die wirklich wunderschön war. Es sind weniger Menschen als in der Früh und der Chor singt einfach unglaublich gut, es war ein toller Abschluss für die Woche.

Abschließend noch eine kleine Erinnerung, auch hie und da mal meine Fotos anzugucken:


2 Kommentare:

  1. Liebe Anita!
    Es ist interessant, auf deinem Blog zu lesen und auch die Fotos habe ich mir schon angeguckt. Ein herbstliches Grüßchen aus Gaflenz von Elfi und Karl

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  2. Hallo Anita!
    "Danke schön" für deine interessanten Schilderungen und Fotos. Es ist schön zu spüren, dass es dir gut geht und du dich so schnell eingelebt hast. Viele liebe Grüße von Onkel Erwin u. Tante Helga
    :-)

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