Unter Autoren würde man meine
derzeitige Situation als Schreibblokade deklarieren. Nicht, dass es
nichts zu erzählen gäbe, denn es passiert wirklich jeden Tag
irgendetwas Neues, aber es ist einfach alles so normal hier, dass ich
gar nicht recht weiß, was für zuhause erzählenswert ist, aber ich
werds mal versuchen.
Meine Woche war echt toll. Im „Maison
du Soleil“ fühle ich mich sowieso schon rundum wohl und lerne nun
auch die Mütter der Kinder, um die ich mich kümmere, immer besser
kennen.
Bisher war eher das „espace eveils“
in Toyoyomey mein Sorgenkind. Ich arbeite hier zusammen mit Jean,
einem ehemaligen Professor, der seine Schüler und die
Gesamtsituation bestens im Griff hat. Der Nachmittagsunterricht läuft
meist ziemlich ähnlich ab mit mir unbekannten Liedern zum Einstieg,
Zeichen- oder Bastelarbeit, Lese- und Rechenunterricht in zwei
Gruppen aufgeteilt und zum Abschluss noch ein paar Lieder. Ich hatte
nicht wirklich eine Aufgabe und war mehr die stille Zuseherin (nicht
gerade das, was man sich unter Volontariat vorstellt^^). Inzwischen
lerne ich allerdings den Ablauf schon immer besser kennen und wir
teilen uns die Arbeit immer mehr auf.
Weniger erfreulich fand ich das
Gespräch mit einem etwa 9-Jährigen, der mir mal so nebenbei
erklärte, dass es hier häufiger mal Schlangen gibt (liegt ja direkt
am, fast schon im, See) und ich sollte mir vielleicht einen Stein
bereithalten, um sie zu erschlagen, das funktioniert meistens recht
gut. – danke, dann bin ich ja beruhigt.
Mittwoch wurden wir von unserer
Schwester Oberin mittags zum Essen ausgeführt ins „Mamma Mia“,
ein italienisches Restaurant. Das Besondere war jedoch nicht die
exkklusive Pasta und das ziemlich leckere Parfait, sondern die
Tatsache, dass dieses Restaurant von den Schwestern finanziert wird.
Hier können die Mädchen, die im „Maison de l'esperance“ ihre
Ausbildung gemacht haben, ihr Praktikum absolvieren. Ich hatte
eigentlich geglaubt das Projekt zu kennen, aber es gibt scheinbar
noch einiges mehr, was die Schwestern schon so alles aufgebaut und
finanziert haben. Unter Anderem eine sonderpädagogische Hochschule,
die wirklich gut ausgestattet ist und eine ausgezeichnete Ausbildung
bietet. Nur mal so nebenbei erwähnt..
Am Freitag war eine Frau auf der Suche
nach dem Maison du Soleil. Sie hatte ihr 4-monatiges Kind dabei und
fragte mich, ob man hier auf Kinder aufpasst. Ich wollte sie zu Tata
Anna (der Verantwortlichen) bringen. Diese beauftragte mich prompt
mit dem Ausführen des „Aufnahmegesprächs“, bei dem ich noch nie
dabei war. Ich fühlte mich heillos überfordert und begann einfach
mit ihr über ihre Situation zu sprechen und es war wirklich
interessant. Keine Ahnung, ob ich pädagogisch wertvoll gehandelt
habe, aber sie fühlte sich zumindest halbwegs verstanden und sie
schien mir zu vertrauen (was wichtig ist, aber nicht unbedingt
einfach als Weiße). Das Problem war jedoch, dass sie mit ihren 19
Jahren nicht mehr als Minderjährig gilt und deshalb eigentlich nicht
zur Zielgruppe der Einrichtung gehört. Da ihr genaues Geburtsdatum
jedoch nicht bekannt ist, könnte sie auch noch als „mineur“
durchgehen und das macht die Sache durchaus kompliziert. Die Sache
wird sich morgen mit der zuständigen Sozialpädagogin klären und
ich hoffe, sie wird aufgenommen, da ich dem 4 Monate altem Joseph
kein Leben als Marktkind wünsche..
Am Samstag war ein Tag der
Volontärinnen. Zu Mittag waren diesmal nicht nur wir, sondern auch
drei Französinnen, eingeladen. Es war interessant sich ein bisschen
auszutauschen und am Abend fanden wir uns alle bei der „nuit
blanche“ wieder, wo Artisten ihre Kultur präsentierten. So bekamen
wir unter Anderem einiges vom Voodoo-Kult zu sehen, der ja in Bénin
seine Wurzeln hat. Was Voodoo genau ist, kann ich noch nicht wirklich
sagen. Klar ist, dass es nichts mit Menschen zu tun hat, die andere
via Puppen verletzten, sondern eher mit dem Glauben an verschiedene
Götter, wobei zum Beispiel der Bäcker einen anderen Gott hat, als
der Bauer (soweit ich das verstanden habe, Angaben ohne Gewähr).
Heute nachmittag war wieder Oratorium,
wobei ich versuchte ein paar Mädels das Gitarre spielen
beizubringen. Das Ganze wird jedoch von ständigen Streitereien um
die Gitarre erschwert und ich glaube ich werde zukünftige
Gitarrenstundenwünsche auf Einzelstunden reduzieren. Abends war ich
in der Messe, die wirklich wunderschön war. Es sind weniger Menschen
als in der Früh und der Chor singt einfach unglaublich gut, es war
ein toller Abschluss für die Woche.
Abschließend noch eine kleine
Erinnerung, auch hie und da mal meine Fotos anzugucken:
Liebe Anita!
AntwortenLöschenEs ist interessant, auf deinem Blog zu lesen und auch die Fotos habe ich mir schon angeguckt. Ein herbstliches Grüßchen aus Gaflenz von Elfi und Karl
Hallo Anita!
AntwortenLöschen"Danke schön" für deine interessanten Schilderungen und Fotos. Es ist schön zu spüren, dass es dir gut geht und du dich so schnell eingelebt hast. Viele liebe Grüße von Onkel Erwin u. Tante Helga
:-)