Sonntag, 26. Oktober 2014

Es ist nicht immer leicht..

Ich habe jetzt schon so einiges von mir hören lassen, was es alles zu sehen und zu erleben gibt, wie ich gut aufgenommen wurde und mich rundum wohl fühle. Allerdings möchte ich keine perfekte
heile Welt präsentieren, denn auch wenn es mir bis jetzt sehr gut gefällt, vom Paradies zu sprechen entspricht einfach nicht der Wahrheit.

Natürlich gibt es die kleinen Problemchen. Kein warmes Wasser, manchmal kein fließendes Wasser oder kein Strom/ Internet. Wäsche und Geschirr werden per Hand gewaschen. Manchmal muss man aus Höflichkeit ziemlich scharfes oder nicht ganz so leckeres Essen verdrücken. Man lebt auf ziemlich engem Raum mit anderen zusammen, was bei Meinungsdifferenzen durchaus auch mal zu kleineren Streitereien führen kann. Die Temperatur ist hier ebenfalls dauernd leicht erhöht, was zu erhöhtem Schlafbedarf führt. Aber das wars dann auch schon wieder. Das ist nichts, woran man sich nicht innerhalb eines Tages gewöhnen würde oder mich irgendwie noch stört.

Was schon ein wenig unangenehmer ist, ist der ständige Dreck. Überall auf den Straßen liegt Müll. Oft sind die Straßen nach dem Regen noch nass und das macht dann zusammen mit dem Sand eine unangenehme Mischung in den Flip Flops. Im Maison du Soleil kommt es zu unangenehmen Situationen, wenn man ein Kind hochnimmt ohne vorher einen Blick in die (wenig dichte) Windel zu werfen. Oder, wenn man nicht bedenkt, ein Kind nicht auf den Rücken zu werfen, nachdem es gegessen hat – das Halbverdaute kommt dann eben wieder hoch. In Toyoyomey, meinem Nachmittagsarbeitsort wird es meistens spannend, wenn gerade keine Pirogues zur Verfügung sind und ich zum „Haus am See“ durch Wasser wate. Nicht, dass ich wasserscheu wäre, aber wenn man einmal weiß, dass diese Lacke allgemein als Mülleimer und Toilette dient wird es doch etwas unapettitlich. Über das Thema Sauberkeit könnte ich hier noch ein ganzes Kapitel schreiben, aber auf andere Umstände war ich ja bestens eingestellt und kann gut damit leben.

Gott sei Dank kann ich bis jetzt noch nicht davon reden, wirkliches Heimweh durchgemacht zu haben. Trotzdem sind die Gedanken ans schöne Österreich täglich präsent und versüßen die kurzen, einsamen Momente, in denen man gerade nichts wirklich Sinnvolles zu tun hat. Doch das liebgewonnene „world wide web“ kennt bekanntlich keine Entfernungen und so ist es manchmal schwierig zu kapieren, dass ich mich eigentlich wirklich auf einem anderen Kontinent befinde.

Was das Leben hier öfters wirklich schwierig macht, sind die vielen Momente in denen man „Nein“ sagen muss. In diese Situation gerät man als Weißer sehr häufig. Um Hilfe, Geld oder Gegenstände (meine Kette, Schlüsselanhänger, Kamera,..) zu bitten, löst hier keinerlei Schamgefühl aus, es scheint das Normalste auf der Welt zu sein, mich mit einem: „Was hast du mir mitgebracht?“ zu begrüßen. Besonders auf dem Weg zu meinem Nachmittagsprogramm begegnen mir oft viele Kinder und auch wenn sie mir meistens nur zurufen, mich grüßen oder wir irgendwelchen Blödsinn machen, wird mir auch jedes Mal eine kleine Hand entgegengestreckt und will Geld. Es ist weniger die Situation selbst, die schwierig zu verarbeiten ist. Man lernt höflich und gelassen zu erklären, dass Geld nicht nur in ihren Taschen knapp ist, beziehungsweise vom Thema abzulenken. Das Schwierige kommt erst danach, wenn man zurückkommt in die vier geschützten Mauern und sich an den Tisch zu den Schwestern setzt, darauf die mit Wasser gefüllte Kanne und der bis zum Rand gefüllte Teller. Dann beginnt man wieder an den Markt zu denken, wo die Menschen bei jeder Witterung draußen im Dreck schlafen und von Tag zu Tag wieder hart arbeiten, um sich und ihrer Familie das Überleben zu sichern. Ob man nicht noch mehr tun könnte, mehr verzichten müsste? Ja, könnte man immer! Nur wird mir hier, wo ich mit anderen Freiwilligen und Gutgesinnten arbeite, ganz Besonders bewusst, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten, bevor man anderen hilft. Natürlich könnte man auf viel mehr verzichten und noch viel sparsamer leben, um mehr geben zu können, doch woher soll man dann noch die Energie nehmen?

Es ist nicht einfach zu verstehen, dass man nicht jedem helfen kann! Zum Beispiel als wir eine Mutter mit ihrem 4-monatigen Burschen vom Maison du Soleil verwiesen, weil sie wahrscheinlich ein Jahr zu alt war und ihre Geschichte allein und verlassen zu sein vielleicht erfunden war..

Besonders gespürt habe ich das auch in einem Moment in dem ich gemeinsam mit Sara bei einem Haus vorbeiging, vor dem gerade ein Kind von einer Frau (seiner Mutter, Tutrice,..?) geschlagen wurde. Es ist hier allgemein gebräuchlicher Gewalt anzuwenden. Bereits in im Maison du Soleil wird den Kleinen von den Müttern (von den Erziehern wird Gewalt natürlich gänzlich abgelehnt) bereits oft mit Schlägen gedroht. Doch es ist nicht einfach vorbeizugehen, ohne irgendeine Handlung zu setzen, weil man weiß, es macht keinen Sinn. Die Frau würde uns nur für verwöhnte Weiße halten, die sich ins Geschehen einmischen und vielleicht sogar noch wütender reagieren. So geht man einfach weiter und tut so, als hätte man nichts gesehen..

Sonntag, 12. Oktober 2014

la joie

Negativ-Nachrichten aus Afrika? - Nicht bei mir!
..zumindest nicht bei mir persönlich..

Ich darf mich zwar noch nicht Eingeborene nennen, aber zumindest habe ich es jetzt zu meinem ersten traditionellen Outfit und einem funktionierenden Mobiltelefon geschafft. Ersteres besteht aus Bomba und Pantalon und sieht schon mal ganz nett aus, mal so zum Ausprobieren, als Nächstes steht Pagne als Rock an und natürlich ein Kleid! Zweiteres war gar nicht so einfach. Als ich es letztendlich doch geschafft hatte, mir ein Handy zu besorgen, stellte ich fest, dass das Aufladekabel nicht für die béninischen Steckdosen funktioniert (Man beachte, ich habe das Handy in Bénin gekauft, im selben Ort, in dem ich es auch aufladen wollte). Soweit so gut, ein kleiner Zusatz gekauft und alles im Butter – ich bin mobil!

Eine weitere Freude im Maison de Soleil (Haus für minderjährige Mütter) – Zwillinge! Sie sind zwar jetzt schon ein Monat alt, aber waren bis jetzt im Krankenhaus. Sie wiegen derzeit leider nur 2kg, aber sie sind auf einem sehr guten Weg und trinken brav. Sie sind so federleicht und doch schon so stark, wenn sie sich mit ihren kleinen Händchen an meinem Finger festhalten wollen, zum dahinschmelzen, die Kleinen!

Freude, die Vierte.. ich glaube, ich bin schon ein bisschen brauner geworden (nur so nebenbei)

In Toyoyomey fand diese Woche der jährliche Wechsel statt, was bedeutet, meine Nachmittagsgruppe wurde in die öffentliche Schule geschickt und ich bin ab jetzt für die bisherige Vormittagsgruppe (3-5 Jahre) verantwortlich. Prinzipiell funktioniert das ganz gut und die Kleinen sind echt super, allerdings habe ich einen kleinen Mangel was französische, sinnvolle, lehrreiche Lieder/ Spiele angeht (Vorschläge?), aber ich versuche mich im Übersetzen, Umdenken, „umadumwuaschtln“ und daun wiad des schau!

Ein Erlebnis für sich stellte der Besuch im Einkaufszentrum Cotonou dar. Es ist auf einmal alles wie in einer anderen Welt.. Regale, fixe Preise, reiche Menschen mit Einkaufskörben, unfreundliche Bedienung,.. Allerdings wusste ich wieder, dass ich in Bénin bin, als die Kassierin zu wenig Wechselgeld hatte.

Nicht nur für die Schüler beginnt jetzt das neue Jahr. Auch unsere Aspirantinnen begingen am Dienstag ihren Wechsel ins Postulantinnenleben und am Mittwoch wurden die neu angehenden Schwestern als Aspirantinnen „angelobt“. Dies erfolgt im Zuge einer Andacht in kleiner Runde und ist eigentlich wirklich schön. Die Aspirantinnenfeier wurde klein gehalten, bei der Feier der Postulantinnen wurde jedoch groß aufgekocht und mit TamTam und Gesang durch den Speisesaal getanzt.

Freitag machten wir uns wieder einen gemütlichen Abend. Ein Kniffelabend mit unserer béninischen Mitvolontärin Perpetue. Samstag gings nach eine kulturtouristischen Nachmittagsprogramm mit Kunstausstellung und Kaffehausbesuch (in dem ich mir ein Glas Naturjoghurt bestellte, was hier definitiv normal ist) wieder ins Facebook (Bar, wie gehabt). In größerer Gruppe war das Ganze gleich noch einmal ein bisschen interessanter und wir schafften es sogar mehrmals auf die Tanzfläche.

Heute war großes Feiern angesagt. Jean Bosco feiert seinen 200. Geburtstag (is jo do schau a weng wos!) und wir feiern natürlich mit! Dieser Sonntag eröffnete das Jahr der Feierlichkeiten mit einer Parade vom stade de l'amitié bis zur Kirche. Dies erfolgte tanzend mit schwungvoller Fanfarenmusik. Danach einen 2,5-stündige Messe, die zwar wunderschön gestaltet war, aber wenn man kaum ein Wort versteht ist es doch etwas lang. Aber man merkt, Don Jean Bosco wird man nicht so schnell vergessen, schon gar nicht dort, wo Schwestern und Brüder seinem Vorbild folgen und mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Sonntag, 5. Oktober 2014

ca va mieux

Unter Autoren würde man meine derzeitige Situation als Schreibblokade deklarieren. Nicht, dass es nichts zu erzählen gäbe, denn es passiert wirklich jeden Tag irgendetwas Neues, aber es ist einfach alles so normal hier, dass ich gar nicht recht weiß, was für zuhause erzählenswert ist, aber ich werds mal versuchen.

Meine Woche war echt toll. Im „Maison du Soleil“ fühle ich mich sowieso schon rundum wohl und lerne nun auch die Mütter der Kinder, um die ich mich kümmere, immer besser kennen.
Bisher war eher das „espace eveils“ in Toyoyomey mein Sorgenkind. Ich arbeite hier zusammen mit Jean, einem ehemaligen Professor, der seine Schüler und die Gesamtsituation bestens im Griff hat. Der Nachmittagsunterricht läuft meist ziemlich ähnlich ab mit mir unbekannten Liedern zum Einstieg, Zeichen- oder Bastelarbeit, Lese- und Rechenunterricht in zwei Gruppen aufgeteilt und zum Abschluss noch ein paar Lieder. Ich hatte nicht wirklich eine Aufgabe und war mehr die stille Zuseherin (nicht gerade das, was man sich unter Volontariat vorstellt^^). Inzwischen lerne ich allerdings den Ablauf schon immer besser kennen und wir teilen uns die Arbeit immer mehr auf.
Weniger erfreulich fand ich das Gespräch mit einem etwa 9-Jährigen, der mir mal so nebenbei erklärte, dass es hier häufiger mal Schlangen gibt (liegt ja direkt am, fast schon im, See) und ich sollte mir vielleicht einen Stein bereithalten, um sie zu erschlagen, das funktioniert meistens recht gut. – danke, dann bin ich ja beruhigt.

Mittwoch wurden wir von unserer Schwester Oberin mittags zum Essen ausgeführt ins „Mamma Mia“, ein italienisches Restaurant. Das Besondere war jedoch nicht die exkklusive Pasta und das ziemlich leckere Parfait, sondern die Tatsache, dass dieses Restaurant von den Schwestern finanziert wird. Hier können die Mädchen, die im „Maison de l'esperance“ ihre Ausbildung gemacht haben, ihr Praktikum absolvieren. Ich hatte eigentlich geglaubt das Projekt zu kennen, aber es gibt scheinbar noch einiges mehr, was die Schwestern schon so alles aufgebaut und finanziert haben. Unter Anderem eine sonderpädagogische Hochschule, die wirklich gut ausgestattet ist und eine ausgezeichnete Ausbildung bietet. Nur mal so nebenbei erwähnt..

Am Freitag war eine Frau auf der Suche nach dem Maison du Soleil. Sie hatte ihr 4-monatiges Kind dabei und fragte mich, ob man hier auf Kinder aufpasst. Ich wollte sie zu Tata Anna (der Verantwortlichen) bringen. Diese beauftragte mich prompt mit dem Ausführen des „Aufnahmegesprächs“, bei dem ich noch nie dabei war. Ich fühlte mich heillos überfordert und begann einfach mit ihr über ihre Situation zu sprechen und es war wirklich interessant. Keine Ahnung, ob ich pädagogisch wertvoll gehandelt habe, aber sie fühlte sich zumindest halbwegs verstanden und sie schien mir zu vertrauen (was wichtig ist, aber nicht unbedingt einfach als Weiße). Das Problem war jedoch, dass sie mit ihren 19 Jahren nicht mehr als Minderjährig gilt und deshalb eigentlich nicht zur Zielgruppe der Einrichtung gehört. Da ihr genaues Geburtsdatum jedoch nicht bekannt ist, könnte sie auch noch als „mineur“ durchgehen und das macht die Sache durchaus kompliziert. Die Sache wird sich morgen mit der zuständigen Sozialpädagogin klären und ich hoffe, sie wird aufgenommen, da ich dem 4 Monate altem Joseph kein Leben als Marktkind wünsche..

Am Samstag war ein Tag der Volontärinnen. Zu Mittag waren diesmal nicht nur wir, sondern auch drei Französinnen, eingeladen. Es war interessant sich ein bisschen auszutauschen und am Abend fanden wir uns alle bei der „nuit blanche“ wieder, wo Artisten ihre Kultur präsentierten. So bekamen wir unter Anderem einiges vom Voodoo-Kult zu sehen, der ja in Bénin seine Wurzeln hat. Was Voodoo genau ist, kann ich noch nicht wirklich sagen. Klar ist, dass es nichts mit Menschen zu tun hat, die andere via Puppen verletzten, sondern eher mit dem Glauben an verschiedene Götter, wobei zum Beispiel der Bäcker einen anderen Gott hat, als der Bauer (soweit ich das verstanden habe, Angaben ohne Gewähr).

Heute nachmittag war wieder Oratorium, wobei ich versuchte ein paar Mädels das Gitarre spielen beizubringen. Das Ganze wird jedoch von ständigen Streitereien um die Gitarre erschwert und ich glaube ich werde zukünftige Gitarrenstundenwünsche auf Einzelstunden reduzieren. Abends war ich in der Messe, die wirklich wunderschön war. Es sind weniger Menschen als in der Früh und der Chor singt einfach unglaublich gut, es war ein toller Abschluss für die Woche.

Abschließend noch eine kleine Erinnerung, auch hie und da mal meine Fotos anzugucken: