Eigentlich
ist sie ja schon fast wieder vorbeigezogen, trotzdem möchte ich euch
noch einen kleinen Eindruck davon dalassen, wie ich hier die
Weihnachtszeit verbringe.
Begonnen
hat das Ganze eigentlich eher mit der Sehnsucht nach ein wenig kühler
Luft, Glühwein, Stille und einem Adventkranz, als ich am Vorabend
des ersten Adventsonntages die Adventkranzsegnung in Gaflenz
verpasste. Mir wurde schnell klar, dass ich wohl eher wenige
Traditionen hier in Cotonou wiederfinden würde und eine Zeit der
Stille und Besinnlichkeit in diesem Ort einfach nicht existiert.
Am
ersten Advent machten wir Volontäre gemeinsam mit Soeur Sylvia einen
Ausflug nach Ouidah (45 Autominuten entfernt). Nach unserem
Tourismusprogramm holten wir unsere Badesachen und nach ein paar
Runden im Pool machten wir noch einen gemütlichen Strandspaziergang.
Von Weihnachtsstimmung keine Spur..
| Mit Sara am Strand von Ouidah |
Sankt
Nikolaus kennt man hier nicht Trotzdem ließen wir es uns nicht
nehmen ein gutes Frühstück mit Äpfel, Orangen, Schokolade,
Gewürzkuchen und der Geschichte des Hl. Bischofs zu bereiten.
Nachdem die Schwestern bis jetzt auch immer brav waren, ließen wir
die Sache mit dem Krampus heuer außen vor. Stattdessen gab es zum
Abendessen für alle Bratäpfel zum Nachtisch!
Ein
sehr schöner Brauch ist die Weihnachtsfeier der Mädels vom Foyer.
Nachdem einige die Weihnachtsferien bei ihren Familien verbringen,
findet diese schon verfrüht am Samstag vor dem 24. statt. Die
gesamte Gemeinschaft bestehend aus Schwestern, Aspirantinnen,
Postulantinnen, Volontäre und die rund 80 Mädels mit ihren Tatas
(Erzieherinnen) versammelt sich in der Festhalle und jeder
präsentiert eine Kleinigkeit. So wurden wir von Krippenspielen,
Tänzen, Gesang und Theatereinlagen unterhalten und brachten uns bei
Anbruch der Dunkelheit mit einem besinnlichen Teil, bestehend aus
einem deutschen Lied und Sternspritzern, ein.
Weihnachtsfeier#2
erlebte ich in meinem „espace eveils“ (Vorschule) in Djijdjè.
Wir hatten das ganze Monat über Vorbereitungen getroffen, gebastelt,
Lieder und Gedichte einstudiert und so versammelten sich am
Montagvormittag alle Kinder gespannt mit ihren Eltern im Hof vor der
Baracke. Ein DJ machte uns die Musik, es gab einen Tanzwettbewerb,
Lieder und Gedichte wurden präsentiert und zum Highlight der Feier
erschien plötzlich Papa Noel, der die (zuvor von den Eltern
abgelieferten) Geschenke verteilte. Abschließen wurden noch
Baguettes und Getränke verteilt und wir konnten das gemeinsame
Arbeitsjahr gut abschließen.
#3
folgte am Dienstag im „Maison de l'esperance“
(Ausbildungsstätte). Hier sind die „Kinder“ (14-18) schon etwas
größer, doch auch hier ließ es sich Papa Noel nicht nehmen
vorbeizuschauen und nahm sogar noch Mama Noel als Hilfe mit. Es wurde
die Messe abgehalten und anschließend das Programm von den Schülern
selbst mit tollen Showeinlagen gestaltet
Der
24. Dezember selbst hat hier keine große Bedeutung. Tagsüber
verschanzten wir uns in unserer Weihnachtswerkstatt und überall
wurden letzte Vorbereitungen getroffen. Am Abend besuchten wir die
Hl. Messe. Diese glich einer Sonntagsmesse und wurde von einem Chor
außerordentlich schwungvoll und mitreißend gestaltet. Von einer
stillen Nacht kann hier also wirklich keine Rede sein. Danach ging es
zurück ins traute Heim und es wurde der Abend mit einem kleinen
Imbiss (Kekse, Popcorn, Würstchen im Schlafrock,..) gemütlich
beschlossen..
Die
eigentliche „Fête“ fand dann am 25. statt. Fête bedeutet
richtig gutes Mittagessen, zubereitet von unserer Haubenköchin
Schwester Yvette. Nach den Grillspießen fanden sich Schwestern,
Aspirantinnen, Postulantinnen und wir Volontäre in der Festhalle ein
und jedes Grüppchen präsentierte eine Kleinigkeit. Hierbei bot sich
endlich die Gelegenheit unsere heimischen Weihnachtslieder auch in
Afrika zu trällern.
Als
wir anschließend die festlich geschmückte Kirche betraten,
entdeckten wir sogleich eine Menschenschar, wild gestikulierend und
in Aufregung, vor dem Altar. Mit der Zeit wurde klar, dass es sich
dabei um ein sehr authentisch präsentiertes Krippenspiel in der
regionalen Sprache Fon handelte. Mit singenden Engeln, schreienden
Wirten und Hirten, die ein echtes Schaf darbrachten, wirkte das Ganze
auch wirklich sehr lebendig.
Den
Silvesterabend verbrachten wir im Norden. Zum Glück machten wir auf
unserer Reise bald einheimische Bekanntschaften, die uns das Feiern
auf Béniner Art beibrachten. So begannen wir den Abend mit "Pâte
rouge" (Maisbrei mit Tomatensoße) und Hühnchen. Danach ging es
auf zur Verkostung von "Djukutou" (Anm.: Schreibweise
vermutlich nicht korrekt), also das ziemlich herbe Bier des Nordens.
Zum Anstoßen aufs alte und aufs neue Jahr verlagerten wir die Fête
dann in eine etwas größere Buvette, in der wir dann ins Jahr 2015
tanzten.
Die
heiligen drei Könige kennt man. Es herrschte jedoch allgemeine
Verwunderung darüber, dass es dafür tatsächlich einen festen
Feiertag gibt und die österreichischen Ferien tatsächlich bis zu
diesem unscheinbaren Tag andauern.
Allgemein
spielt hier Musik und Tanz eine große Rolle. Schon im Alltagsleben
gibt es hier keine Minute, in der nicht aus irgendeiner Buvette
(kleines Lokal), aus Geschäften oder aus Boxen auf der Straße Lieder dröhnen. Bei Festen allerdings gibt es gar kein Halten mehr. Beim Fest mit den Kindern, in der Kirche und mit den Schwestern wird getanzt, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Das Ganze beginnt schon von klein auf. Bereits im Maison du Soleil beginnen die fast noch Babys mit dem Hintern zu wackeln, wenn sie rythmische Schläge auf dem Tamtam oder Musik aus dem Fernseher wahrnehmen. So darf es einen auch nicht wundern, wenn sich die Menschen hier zu Musik bewegen, wie man es bei uns nur selten sieht. Jedes Land bzw. jede Region hat dabei eigene Besonderheiten bzw. Traditionen, die sich im Tanz widerspiegeln, aber im Endeffekt geht es einfach darum, sich dem Rythmus entsprechend nach Lust und Laune zu bewegen.
Also
alles in allem kann ich die Feiertage hier nur positiv in Erinnerung
behalten, jedoch muss ich zugeben, bei 30°C habe ich es nicht
wirklich geschafft, in die gewohnte Weihnachtsstimmung zu kommen. Ich
habe ein bisschen versucht, mit selbstgebackenen Keksen
(Rosinenbusserl) und Bratäpfeln nachzuhelfen, aber ja, es war auf
jeden Fall ein sehr schönes Fest und besinnlich kann ich ja nächstes
Jahr wieder feiern.