Samstag, 10. Januar 2015

la fête

Eigentlich ist sie ja schon fast wieder vorbeigezogen, trotzdem möchte ich euch noch einen kleinen Eindruck davon dalassen, wie ich hier die Weihnachtszeit verbringe.

Begonnen hat das Ganze eigentlich eher mit der Sehnsucht nach ein wenig kühler Luft, Glühwein, Stille und einem Adventkranz, als ich am Vorabend des ersten Adventsonntages die Adventkranzsegnung in Gaflenz verpasste. Mir wurde schnell klar, dass ich wohl eher wenige Traditionen hier in Cotonou wiederfinden würde und eine Zeit der Stille und Besinnlichkeit in diesem Ort einfach nicht existiert.

Am ersten Advent machten wir Volontäre gemeinsam mit Soeur Sylvia einen Ausflug nach Ouidah (45 Autominuten entfernt). Nach unserem Tourismusprogramm holten wir unsere Badesachen und nach ein paar Runden im Pool machten wir noch einen gemütlichen Strandspaziergang. Von Weihnachtsstimmung keine Spur..

Mit Sara am Strand von Ouidah

Sankt Nikolaus kennt man hier nicht Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen ein gutes Frühstück mit Äpfel, Orangen, Schokolade, Gewürzkuchen und der Geschichte des Hl. Bischofs zu bereiten. Nachdem die Schwestern bis jetzt auch immer brav waren, ließen wir die Sache mit dem Krampus heuer außen vor. Stattdessen gab es zum Abendessen für alle Bratäpfel zum Nachtisch!

Ein sehr schöner Brauch ist die Weihnachtsfeier der Mädels vom Foyer. Nachdem einige die Weihnachtsferien bei ihren Familien verbringen, findet diese schon verfrüht am Samstag vor dem 24. statt. Die gesamte Gemeinschaft bestehend aus Schwestern, Aspirantinnen, Postulantinnen, Volontäre und die rund 80 Mädels mit ihren Tatas (Erzieherinnen) versammelt sich in der Festhalle und jeder präsentiert eine Kleinigkeit. So wurden wir von Krippenspielen, Tänzen, Gesang und Theatereinlagen unterhalten und brachten uns bei Anbruch der Dunkelheit mit einem besinnlichen Teil, bestehend aus einem deutschen Lied und Sternspritzern, ein.

Weihnachtsfeier#2 erlebte ich in meinem „espace eveils“ (Vorschule) in Djijdjè. Wir hatten das ganze Monat über Vorbereitungen getroffen, gebastelt, Lieder und Gedichte einstudiert und so versammelten sich am Montagvormittag alle Kinder gespannt mit ihren Eltern im Hof vor der Baracke. Ein DJ machte uns die Musik, es gab einen Tanzwettbewerb, Lieder und Gedichte wurden präsentiert und zum Highlight der Feier erschien plötzlich Papa Noel, der die (zuvor von den Eltern abgelieferten) Geschenke verteilte. Abschließen wurden noch Baguettes und Getränke verteilt und wir konnten das gemeinsame Arbeitsjahr gut abschließen.

#3 folgte am Dienstag im „Maison de l'esperance“ (Ausbildungsstätte). Hier sind die „Kinder“ (14-18) schon etwas größer, doch auch hier ließ es sich Papa Noel nicht nehmen vorbeizuschauen und nahm sogar noch Mama Noel als Hilfe mit. Es wurde die Messe abgehalten und anschließend das Programm von den Schülern selbst mit tollen Showeinlagen gestaltet

Der 24. Dezember selbst hat hier keine große Bedeutung. Tagsüber verschanzten wir uns in unserer Weihnachtswerkstatt und überall wurden letzte Vorbereitungen getroffen. Am Abend besuchten wir die Hl. Messe. Diese glich einer Sonntagsmesse und wurde von einem Chor außerordentlich schwungvoll und mitreißend gestaltet. Von einer stillen Nacht kann hier also wirklich keine Rede sein. Danach ging es zurück ins traute Heim und es wurde der Abend mit einem kleinen Imbiss (Kekse, Popcorn, Würstchen im Schlafrock,..) gemütlich beschlossen..

Die eigentliche „Fête“ fand dann am 25. statt. Fête bedeutet richtig gutes Mittagessen, zubereitet von unserer Haubenköchin Schwester Yvette. Nach den Grillspießen fanden sich Schwestern, Aspirantinnen, Postulantinnen und wir Volontäre in der Festhalle ein und jedes Grüppchen präsentierte eine Kleinigkeit. Hierbei bot sich endlich die Gelegenheit unsere heimischen Weihnachtslieder auch in Afrika zu trällern.
Als wir anschließend die festlich geschmückte Kirche betraten, entdeckten wir sogleich eine Menschenschar, wild gestikulierend und in Aufregung, vor dem Altar. Mit der Zeit wurde klar, dass es sich dabei um ein sehr authentisch präsentiertes Krippenspiel in der regionalen Sprache Fon handelte. Mit singenden Engeln, schreienden Wirten und Hirten, die ein echtes Schaf darbrachten, wirkte das Ganze auch wirklich sehr lebendig.

Den Silvesterabend verbrachten wir im Norden. Zum Glück machten wir auf unserer Reise bald einheimische Bekanntschaften, die uns das Feiern auf Béniner Art beibrachten. So begannen wir den Abend mit "Pâte rouge" (Maisbrei mit Tomatensoße) und Hühnchen. Danach ging es auf zur Verkostung von "Djukutou" (Anm.: Schreibweise vermutlich nicht korrekt), also das ziemlich herbe Bier des Nordens. Zum Anstoßen aufs alte und aufs neue Jahr verlagerten wir die Fête dann in eine etwas größere Buvette, in der wir dann ins Jahr 2015 tanzten.

Die heiligen drei Könige kennt man. Es herrschte jedoch allgemeine Verwunderung darüber, dass es dafür tatsächlich einen festen Feiertag gibt und die österreichischen Ferien tatsächlich bis zu diesem unscheinbaren Tag andauern.

Allgemein spielt hier Musik und Tanz eine große Rolle. Schon im Alltagsleben gibt es hier keine Minute, in der nicht aus irgendeiner Buvette (kleines Lokal), aus Geschäften oder aus Boxen auf der Straße Lieder dröhnen. Bei Festen allerdings gibt es gar kein Halten mehr. Beim Fest mit den Kindern, in der Kirche und mit den Schwestern wird getanzt, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Das Ganze beginnt schon von klein auf. Bereits im Maison du Soleil beginnen die fast noch Babys mit dem Hintern zu wackeln, wenn sie rythmische Schläge auf dem Tamtam oder Musik aus dem Fernseher wahrnehmen. So darf es einen auch nicht wundern, wenn sich die Menschen hier zu Musik bewegen, wie man es bei uns nur selten sieht. Jedes Land bzw. jede Region hat dabei eigene Besonderheiten bzw. Traditionen, die sich im Tanz widerspiegeln, aber im Endeffekt geht es einfach darum, sich dem Rythmus entsprechend nach Lust und Laune zu bewegen.

Also alles in allem kann ich die Feiertage hier nur positiv in Erinnerung behalten, jedoch muss ich zugeben, bei 30°C habe ich es nicht wirklich geschafft, in die gewohnte Weihnachtsstimmung zu kommen. Ich habe ein bisschen versucht, mit selbstgebackenen Keksen (Rosinenbusserl) und Bratäpfeln nachzuhelfen, aber ja, es war auf jeden Fall ein sehr schönes Fest und besinnlich kann ich ja nächstes Jahr wieder feiern.


Sonntag, 9. November 2014

Erziehung

Hallihallo und einen wunderschönen Sonntag zusammen!

Meine Berichte werden bereits etwas seltener, was nicht daran liegt, dass ich nichts zu erzählen habe, sondern eher daran, dass ich entweder keine Zeit oder kein Internet zur Verfügung habe. Aber ich bemühe mich, regelmäßig von mir hören zu lassen, damit nicht plötzlich Gerüchte von einer verschollenen Gaflenzerin oder dergleichen in Umlauf geraten! Also..

Der Oktober wurde zu Ehren Mariens mit einem wunderschönen Rosenkranz zusammen mit allen Schwester, Postulantinnen, Aspirantinnen und Mädels vom Foyer abends draußen im Garten beschlossen. Der November begann sogleich mit einem Feierwochenende. Allerheiligen und Allerseelen bescherten uns eine Woche mit zwei Sonntagen. Doch außer der Tatsache, dass man sich überall fröhlich eine „bonne fête“ schien alles wie zuhause abzulaufen.

Nachdem nun auch das Schuljahr endlich richtig begonnen hat (nachdem eine Zeit lang nur die die Hälfte er Schüler anwesend war) kehrt auch beim sonntäglichen Oratorium (vgl. Jungschar) wieder Ordnung ein. Hierbei habe ich es irgendwie geschafft ab nun meine künstlerischen Talente im Malkurs (es werden verschiedene Aktivitäten, wie Tanz, Ballspiel, Theater,.. angeboten) ausleben zu dürfen. Jene, die mich besser kennen, wissen, dass diese mangelhaft bis gar nicht vorhanden sind. Aber ich werde meine ganze Kreativität zusammenpacken und versuchen mit den Kleinen irgendetwas Sinnvolles zu Papier zu bringen. Hat bis jetzt eigentlich sogar ganz gut funktioniert.

Letzten Samstag verließen wir zum ersten Mal unser heimeliges Cotonou und besuchten Porto-Novo, die Hauptstadt Bénins. Normalerweise denkt man bei Hauptstadt an Trubel, Lärm, Verkehr und Menschenmassen. Nicht so in Bénin. In Porto-Novo findet man zwar das politische Zentrum, wirtschaftlich gesehen ist jedoch Cotonou die wichtigste Stadt. So wurden wir von vergleichsweise ruhigen Straßen, schönen Plätzen und sogar einem Park überrascht. Wir besuchten das Museum „da Silva“, in dem die kulturellen Ähnlichkeiten zwischen Brasilien und Bénin aufgrund des ehemaligen Sklavenhandels sehr interessant präsentiert wurden. Damit war unser touristisches Interesse aber auch schon wieder abgedeckt und wir genossen noch ein bisschen die ruhige Atmosphäre, bevor wir uns wieder mit 20 Personen in einen Kleinbus bequemten um die Rückfahrt anzutreten.

Am Sonntag durfte ich zum ersten Mal meine béninischen Kochkünste ertesten. Wir waren bei einer Freundin zum Essen eingeladen – selbst gemacht. Es ging auch gar nicht so schlecht und so stand schon bald „pâte“ (Brei vom Maismehl) mit grünem Gemüse und Fisch (die Frage „welcher Fisch?“ wird mit einem verständnislosen Blick und „Fisch“ beantwortet) auf dem Tisch. Bemerkenswerterweise war das Ganze sogar essbar.

Diesen Freitagnachmittag hatte ich zum vorerst letzten Mal das Vergnügen, mit dem Pilogue in den „centre préscolaire des soeurs salésiennes“ in Toyoyomey zu fahren und die Kinder auf den Schulalltag vorzubereiten, denn ab nächster Woche werde ich meine Nachmittag in einem anderen Viertel (Gidgé) verbringen. Die Arbeit wird dieselbe sein, nur die Kinder und die Animateure hatte ich eigentlich schon ganz lieb gewonnen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir schon nach dieser kurzen Zeit die Tränen ein wenig zurückhalten musste, nachdem ich davon erfuhr. Aber nachdem der letzte Tag nocheinmal so richtig schön war, konnte ich die 1,5 Monate schön abschließen und auf jeden Fall sehr viele Erfahrungen daraus mitnehmen.

Diese Woche kam eine neue Volontärin ins Maison du Soleil (Haus für junge Mütter mit ihren Kindern). Die 26-jährige Laure arbeitete bereits in Frankreich in einer Krippe und das macht die ganze Sache eigentlich sehr interessant, da sie wieder auf eine ganz andere Art und Weise mit den Kindern arbeitet. Zwischendurch erklärt sie mir immer einiges, was bei Kindern (laut französischer Ausbildung) zu beachten ist und ich stelle fest – die Mischung machts.
Allgemein habe ich hier schon einige Erziehungsmethoden beobachtet, an deren Sinnhaftigkeit ich zweifle. Oft werden aus Emotionen heraus Kinder angeschrien, die nicht wirklich etwas angestellt haben. Es gibt Kinder, die geschlagen werden. Nicht überall, nicht immer, aber es ist nicht ungewöhnlich. Ich habe mir schon häufig darüber Gedanken gemacht, ob die Mütter hier weniger sensibel sind. Doch im Endeffekt hat Erziehung doch den Sinn ein Kind auf das Leben vorzubereiten und es in der Gesellschaft einzugliedern. Ich möchte nicht unterstellen, dass man in Österreich nichts für sein Geld tun muss, aber wer wirklich will, hat IMMER die Möglichkeit gut zu überleben. Hier allerdings, auf dem Markt Dantokpa, kann es schonmal passieren, dass man ohne Nahrung und Unterkunft ankommt, wenn man nicht hart genug gearbeitet hat. Es gibt keine Suppenküche, in die man zur Not einkehren kann. Es gibt auch kein Arbeitsamt oder Arbeitslosengeld. Das Leben hier ist einfach härter und so ist es eigentlich nur verständlich, dass auch die Erziehung strenger erfolgt und lehrt sich durchzusetzen. Ich möchte auf keinen Fall Gewalt verherrlichen, schon gar nicht Kindern gegenüber, aber es ist wichtig zu verstehen, dass dies oft nicht aus Hass oder purer Lust heraus passiert, sondern durchaus als Methodik zur Erziehung verstanden wird.

Ein Thema, nachdem ich doch noch häufig gefragt werde ist, ob es denn hier auch keine Ebola-Ansteckungsgefahr gibt. Und nein, gibt es nicht. Es wird sehr stark präventiv dagegen angekämpft durch Desinfektionsmittel an öffentlichen Orten und dem Unterlassen des Friedenszeichens in der Messe. Aber im Großen und Ganzen bekomme ich davon nicht wirklich viel mit, außer den zahlreichen Witzchen, die man zu hören bekommt, wenn man einmal hustet oder niest.


C'est ca. Au revoir :)

Sonntag, 26. Oktober 2014

Es ist nicht immer leicht..

Ich habe jetzt schon so einiges von mir hören lassen, was es alles zu sehen und zu erleben gibt, wie ich gut aufgenommen wurde und mich rundum wohl fühle. Allerdings möchte ich keine perfekte
heile Welt präsentieren, denn auch wenn es mir bis jetzt sehr gut gefällt, vom Paradies zu sprechen entspricht einfach nicht der Wahrheit.

Natürlich gibt es die kleinen Problemchen. Kein warmes Wasser, manchmal kein fließendes Wasser oder kein Strom/ Internet. Wäsche und Geschirr werden per Hand gewaschen. Manchmal muss man aus Höflichkeit ziemlich scharfes oder nicht ganz so leckeres Essen verdrücken. Man lebt auf ziemlich engem Raum mit anderen zusammen, was bei Meinungsdifferenzen durchaus auch mal zu kleineren Streitereien führen kann. Die Temperatur ist hier ebenfalls dauernd leicht erhöht, was zu erhöhtem Schlafbedarf führt. Aber das wars dann auch schon wieder. Das ist nichts, woran man sich nicht innerhalb eines Tages gewöhnen würde oder mich irgendwie noch stört.

Was schon ein wenig unangenehmer ist, ist der ständige Dreck. Überall auf den Straßen liegt Müll. Oft sind die Straßen nach dem Regen noch nass und das macht dann zusammen mit dem Sand eine unangenehme Mischung in den Flip Flops. Im Maison du Soleil kommt es zu unangenehmen Situationen, wenn man ein Kind hochnimmt ohne vorher einen Blick in die (wenig dichte) Windel zu werfen. Oder, wenn man nicht bedenkt, ein Kind nicht auf den Rücken zu werfen, nachdem es gegessen hat – das Halbverdaute kommt dann eben wieder hoch. In Toyoyomey, meinem Nachmittagsarbeitsort wird es meistens spannend, wenn gerade keine Pirogues zur Verfügung sind und ich zum „Haus am See“ durch Wasser wate. Nicht, dass ich wasserscheu wäre, aber wenn man einmal weiß, dass diese Lacke allgemein als Mülleimer und Toilette dient wird es doch etwas unapettitlich. Über das Thema Sauberkeit könnte ich hier noch ein ganzes Kapitel schreiben, aber auf andere Umstände war ich ja bestens eingestellt und kann gut damit leben.

Gott sei Dank kann ich bis jetzt noch nicht davon reden, wirkliches Heimweh durchgemacht zu haben. Trotzdem sind die Gedanken ans schöne Österreich täglich präsent und versüßen die kurzen, einsamen Momente, in denen man gerade nichts wirklich Sinnvolles zu tun hat. Doch das liebgewonnene „world wide web“ kennt bekanntlich keine Entfernungen und so ist es manchmal schwierig zu kapieren, dass ich mich eigentlich wirklich auf einem anderen Kontinent befinde.

Was das Leben hier öfters wirklich schwierig macht, sind die vielen Momente in denen man „Nein“ sagen muss. In diese Situation gerät man als Weißer sehr häufig. Um Hilfe, Geld oder Gegenstände (meine Kette, Schlüsselanhänger, Kamera,..) zu bitten, löst hier keinerlei Schamgefühl aus, es scheint das Normalste auf der Welt zu sein, mich mit einem: „Was hast du mir mitgebracht?“ zu begrüßen. Besonders auf dem Weg zu meinem Nachmittagsprogramm begegnen mir oft viele Kinder und auch wenn sie mir meistens nur zurufen, mich grüßen oder wir irgendwelchen Blödsinn machen, wird mir auch jedes Mal eine kleine Hand entgegengestreckt und will Geld. Es ist weniger die Situation selbst, die schwierig zu verarbeiten ist. Man lernt höflich und gelassen zu erklären, dass Geld nicht nur in ihren Taschen knapp ist, beziehungsweise vom Thema abzulenken. Das Schwierige kommt erst danach, wenn man zurückkommt in die vier geschützten Mauern und sich an den Tisch zu den Schwestern setzt, darauf die mit Wasser gefüllte Kanne und der bis zum Rand gefüllte Teller. Dann beginnt man wieder an den Markt zu denken, wo die Menschen bei jeder Witterung draußen im Dreck schlafen und von Tag zu Tag wieder hart arbeiten, um sich und ihrer Familie das Überleben zu sichern. Ob man nicht noch mehr tun könnte, mehr verzichten müsste? Ja, könnte man immer! Nur wird mir hier, wo ich mit anderen Freiwilligen und Gutgesinnten arbeite, ganz Besonders bewusst, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten, bevor man anderen hilft. Natürlich könnte man auf viel mehr verzichten und noch viel sparsamer leben, um mehr geben zu können, doch woher soll man dann noch die Energie nehmen?

Es ist nicht einfach zu verstehen, dass man nicht jedem helfen kann! Zum Beispiel als wir eine Mutter mit ihrem 4-monatigen Burschen vom Maison du Soleil verwiesen, weil sie wahrscheinlich ein Jahr zu alt war und ihre Geschichte allein und verlassen zu sein vielleicht erfunden war..

Besonders gespürt habe ich das auch in einem Moment in dem ich gemeinsam mit Sara bei einem Haus vorbeiging, vor dem gerade ein Kind von einer Frau (seiner Mutter, Tutrice,..?) geschlagen wurde. Es ist hier allgemein gebräuchlicher Gewalt anzuwenden. Bereits in im Maison du Soleil wird den Kleinen von den Müttern (von den Erziehern wird Gewalt natürlich gänzlich abgelehnt) bereits oft mit Schlägen gedroht. Doch es ist nicht einfach vorbeizugehen, ohne irgendeine Handlung zu setzen, weil man weiß, es macht keinen Sinn. Die Frau würde uns nur für verwöhnte Weiße halten, die sich ins Geschehen einmischen und vielleicht sogar noch wütender reagieren. So geht man einfach weiter und tut so, als hätte man nichts gesehen..

Sonntag, 12. Oktober 2014

la joie

Negativ-Nachrichten aus Afrika? - Nicht bei mir!
..zumindest nicht bei mir persönlich..

Ich darf mich zwar noch nicht Eingeborene nennen, aber zumindest habe ich es jetzt zu meinem ersten traditionellen Outfit und einem funktionierenden Mobiltelefon geschafft. Ersteres besteht aus Bomba und Pantalon und sieht schon mal ganz nett aus, mal so zum Ausprobieren, als Nächstes steht Pagne als Rock an und natürlich ein Kleid! Zweiteres war gar nicht so einfach. Als ich es letztendlich doch geschafft hatte, mir ein Handy zu besorgen, stellte ich fest, dass das Aufladekabel nicht für die béninischen Steckdosen funktioniert (Man beachte, ich habe das Handy in Bénin gekauft, im selben Ort, in dem ich es auch aufladen wollte). Soweit so gut, ein kleiner Zusatz gekauft und alles im Butter – ich bin mobil!

Eine weitere Freude im Maison de Soleil (Haus für minderjährige Mütter) – Zwillinge! Sie sind zwar jetzt schon ein Monat alt, aber waren bis jetzt im Krankenhaus. Sie wiegen derzeit leider nur 2kg, aber sie sind auf einem sehr guten Weg und trinken brav. Sie sind so federleicht und doch schon so stark, wenn sie sich mit ihren kleinen Händchen an meinem Finger festhalten wollen, zum dahinschmelzen, die Kleinen!

Freude, die Vierte.. ich glaube, ich bin schon ein bisschen brauner geworden (nur so nebenbei)

In Toyoyomey fand diese Woche der jährliche Wechsel statt, was bedeutet, meine Nachmittagsgruppe wurde in die öffentliche Schule geschickt und ich bin ab jetzt für die bisherige Vormittagsgruppe (3-5 Jahre) verantwortlich. Prinzipiell funktioniert das ganz gut und die Kleinen sind echt super, allerdings habe ich einen kleinen Mangel was französische, sinnvolle, lehrreiche Lieder/ Spiele angeht (Vorschläge?), aber ich versuche mich im Übersetzen, Umdenken, „umadumwuaschtln“ und daun wiad des schau!

Ein Erlebnis für sich stellte der Besuch im Einkaufszentrum Cotonou dar. Es ist auf einmal alles wie in einer anderen Welt.. Regale, fixe Preise, reiche Menschen mit Einkaufskörben, unfreundliche Bedienung,.. Allerdings wusste ich wieder, dass ich in Bénin bin, als die Kassierin zu wenig Wechselgeld hatte.

Nicht nur für die Schüler beginnt jetzt das neue Jahr. Auch unsere Aspirantinnen begingen am Dienstag ihren Wechsel ins Postulantinnenleben und am Mittwoch wurden die neu angehenden Schwestern als Aspirantinnen „angelobt“. Dies erfolgt im Zuge einer Andacht in kleiner Runde und ist eigentlich wirklich schön. Die Aspirantinnenfeier wurde klein gehalten, bei der Feier der Postulantinnen wurde jedoch groß aufgekocht und mit TamTam und Gesang durch den Speisesaal getanzt.

Freitag machten wir uns wieder einen gemütlichen Abend. Ein Kniffelabend mit unserer béninischen Mitvolontärin Perpetue. Samstag gings nach eine kulturtouristischen Nachmittagsprogramm mit Kunstausstellung und Kaffehausbesuch (in dem ich mir ein Glas Naturjoghurt bestellte, was hier definitiv normal ist) wieder ins Facebook (Bar, wie gehabt). In größerer Gruppe war das Ganze gleich noch einmal ein bisschen interessanter und wir schafften es sogar mehrmals auf die Tanzfläche.

Heute war großes Feiern angesagt. Jean Bosco feiert seinen 200. Geburtstag (is jo do schau a weng wos!) und wir feiern natürlich mit! Dieser Sonntag eröffnete das Jahr der Feierlichkeiten mit einer Parade vom stade de l'amitié bis zur Kirche. Dies erfolgte tanzend mit schwungvoller Fanfarenmusik. Danach einen 2,5-stündige Messe, die zwar wunderschön gestaltet war, aber wenn man kaum ein Wort versteht ist es doch etwas lang. Aber man merkt, Don Jean Bosco wird man nicht so schnell vergessen, schon gar nicht dort, wo Schwestern und Brüder seinem Vorbild folgen und mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Sonntag, 5. Oktober 2014

ca va mieux

Unter Autoren würde man meine derzeitige Situation als Schreibblokade deklarieren. Nicht, dass es nichts zu erzählen gäbe, denn es passiert wirklich jeden Tag irgendetwas Neues, aber es ist einfach alles so normal hier, dass ich gar nicht recht weiß, was für zuhause erzählenswert ist, aber ich werds mal versuchen.

Meine Woche war echt toll. Im „Maison du Soleil“ fühle ich mich sowieso schon rundum wohl und lerne nun auch die Mütter der Kinder, um die ich mich kümmere, immer besser kennen.
Bisher war eher das „espace eveils“ in Toyoyomey mein Sorgenkind. Ich arbeite hier zusammen mit Jean, einem ehemaligen Professor, der seine Schüler und die Gesamtsituation bestens im Griff hat. Der Nachmittagsunterricht läuft meist ziemlich ähnlich ab mit mir unbekannten Liedern zum Einstieg, Zeichen- oder Bastelarbeit, Lese- und Rechenunterricht in zwei Gruppen aufgeteilt und zum Abschluss noch ein paar Lieder. Ich hatte nicht wirklich eine Aufgabe und war mehr die stille Zuseherin (nicht gerade das, was man sich unter Volontariat vorstellt^^). Inzwischen lerne ich allerdings den Ablauf schon immer besser kennen und wir teilen uns die Arbeit immer mehr auf.
Weniger erfreulich fand ich das Gespräch mit einem etwa 9-Jährigen, der mir mal so nebenbei erklärte, dass es hier häufiger mal Schlangen gibt (liegt ja direkt am, fast schon im, See) und ich sollte mir vielleicht einen Stein bereithalten, um sie zu erschlagen, das funktioniert meistens recht gut. – danke, dann bin ich ja beruhigt.

Mittwoch wurden wir von unserer Schwester Oberin mittags zum Essen ausgeführt ins „Mamma Mia“, ein italienisches Restaurant. Das Besondere war jedoch nicht die exkklusive Pasta und das ziemlich leckere Parfait, sondern die Tatsache, dass dieses Restaurant von den Schwestern finanziert wird. Hier können die Mädchen, die im „Maison de l'esperance“ ihre Ausbildung gemacht haben, ihr Praktikum absolvieren. Ich hatte eigentlich geglaubt das Projekt zu kennen, aber es gibt scheinbar noch einiges mehr, was die Schwestern schon so alles aufgebaut und finanziert haben. Unter Anderem eine sonderpädagogische Hochschule, die wirklich gut ausgestattet ist und eine ausgezeichnete Ausbildung bietet. Nur mal so nebenbei erwähnt..

Am Freitag war eine Frau auf der Suche nach dem Maison du Soleil. Sie hatte ihr 4-monatiges Kind dabei und fragte mich, ob man hier auf Kinder aufpasst. Ich wollte sie zu Tata Anna (der Verantwortlichen) bringen. Diese beauftragte mich prompt mit dem Ausführen des „Aufnahmegesprächs“, bei dem ich noch nie dabei war. Ich fühlte mich heillos überfordert und begann einfach mit ihr über ihre Situation zu sprechen und es war wirklich interessant. Keine Ahnung, ob ich pädagogisch wertvoll gehandelt habe, aber sie fühlte sich zumindest halbwegs verstanden und sie schien mir zu vertrauen (was wichtig ist, aber nicht unbedingt einfach als Weiße). Das Problem war jedoch, dass sie mit ihren 19 Jahren nicht mehr als Minderjährig gilt und deshalb eigentlich nicht zur Zielgruppe der Einrichtung gehört. Da ihr genaues Geburtsdatum jedoch nicht bekannt ist, könnte sie auch noch als „mineur“ durchgehen und das macht die Sache durchaus kompliziert. Die Sache wird sich morgen mit der zuständigen Sozialpädagogin klären und ich hoffe, sie wird aufgenommen, da ich dem 4 Monate altem Joseph kein Leben als Marktkind wünsche..

Am Samstag war ein Tag der Volontärinnen. Zu Mittag waren diesmal nicht nur wir, sondern auch drei Französinnen, eingeladen. Es war interessant sich ein bisschen auszutauschen und am Abend fanden wir uns alle bei der „nuit blanche“ wieder, wo Artisten ihre Kultur präsentierten. So bekamen wir unter Anderem einiges vom Voodoo-Kult zu sehen, der ja in Bénin seine Wurzeln hat. Was Voodoo genau ist, kann ich noch nicht wirklich sagen. Klar ist, dass es nichts mit Menschen zu tun hat, die andere via Puppen verletzten, sondern eher mit dem Glauben an verschiedene Götter, wobei zum Beispiel der Bäcker einen anderen Gott hat, als der Bauer (soweit ich das verstanden habe, Angaben ohne Gewähr).

Heute nachmittag war wieder Oratorium, wobei ich versuchte ein paar Mädels das Gitarre spielen beizubringen. Das Ganze wird jedoch von ständigen Streitereien um die Gitarre erschwert und ich glaube ich werde zukünftige Gitarrenstundenwünsche auf Einzelstunden reduzieren. Abends war ich in der Messe, die wirklich wunderschön war. Es sind weniger Menschen als in der Früh und der Chor singt einfach unglaublich gut, es war ein toller Abschluss für die Woche.

Abschließend noch eine kleine Erinnerung, auch hie und da mal meine Fotos anzugucken:


Sonntag, 28. September 2014

Wochenende

Anders als daheim erholt man sich nicht währrend der Woche vom anstrengenden Woche, sondern sonderbarerweise umgekehrt. Freitag hat es richtig stark geregnet, darum haben wir einen Faulenzerabend mit gemütlichem Essen und dem Liederberg 3 gemacht. Samstag ist Arbeitstag. Bis 8 Uhr hat man Zeit zu frühstücken. Dann wird spätestens abgeräumt und alles geputzt. Fenster, Böden, Kleidung,.. Das ist allerdings sehr gemütlich, wir nehmen uns meistens den ganzen Vormittag Zeit bis wir um 12:30 Uhr zum Mittagessen gemeinsam mit den Schwestern schreiten. Das Essen hier ist nebenbei erwähnt echt lecker. Sämtliche Gruselgeschichten über megascharfes und überwürzte Gerichte haben sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet. Besonders hier bei den Schwestern die aus Italien, Spanien, Togo, Bénin, Côte d'Ivoire, Costa Rica, Burkina Faso und Ecuador gibt es selten (zu) traditionelle Gerichte. Außerhalb dieser Welt (bei den Aspirantinnen, im Foyer,..) sieht es schon etwas anders aus und es fällt schon etwas schwerer dem Höflichkeitskodex (nichts übriglassen und alles probieren) zu entsprechen. Zum Beispiel bei halbrohem Hähnchen oder allgemein viel zu großen Portionen, aber bis jetzt war noch nichts richtig Tragisches dabei, mal schaun..

Auf jeden Fall können wir den Samstagnachmittag frei planen, solange wir um 19 Uhr bei den Mädels im Foyer zum Abendessen bereit stehen. Diesmal sind wir also mit einer béninischen Volontärin zum Strand. Und, auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, der Strand war sauber und die Luft war frisch, es war herrlich. Besonders spannend für die heimischen Meeresgenießer wurde es, als sich plötzlich zwei Yovos („Weiße“) in die Wellen warfen. Wir wurden sofort zu Hauptattraktion, obwohl neben uns ein Junge mit Tellern jonglierte, was meiner Meinung nach doch definitiv beeindruckender war. Abends wurden wir von zwei
war ich dann im Facebook, also einer Bar mit Live-Musik. Wir tranken béninisches Bier und bekamen von zwei Studenten, die uns begleiteten (ohne männliche Begleitung würden wir dann wohl doch nicht mehr raus, wenns dunkel ist) Curry-Hühnchen spendiert. Im Dunkeln war es nicht einfach zu erkennen, wo viel und wo wenig Curry ist, was bei mir beinahe zu Verbrennungen im Mundbereich geführt hätte^^


Sonntag der obligatorische Messbesuch entweder Vormittags um 9 Uhr oder abends um 18:30 Uhr. Sonst haben wir am Sonntag eigentlich keine Verpflichtungen außer dem Mittagessen um 12:30 Uhr mit den Schwestern und dem Abendessen nach der Abendmesse mit den Aspirantinnen, also eigentlich nichts worüber man sich beschweren könnte. Ich war in der Vormittagsmesse, das ist eher die Kindermesse, in die die Mädels vom Foyer auch gehen und sie freuen sich immer riesig wenn die „Tatas“ auch da sind. Am Nachmittag werde ich zum Oratorium gehen, wo zwei Stunden lang Basketball, Fußball oder derlei Aktivitäten praktiziert werden.

So siehts aus..

Freitag, 26. September 2014

Es läuft..

Hallihallöchen vom Popöchen der Erde :P
na, Scherzal fias Herzal, eigentlich bin i do jo sogoa ziemlich im Zentrum! Man merkts unter Anderem daran, dass einem hier IMMER zahlreiche Leute begegnen und keiner ohne ein höfliches „Yovo, bonsoir!“ („Weiße, guten Abend“) im Vorbeigehen loszulassen. Freundlichkeit scheint mir wird hier allgemein sehr groß geschrieben. Zum Beispiel wird dir nie eine Marktdame böse hinterherschaun weil du bei ihr nicht einkaufst, obwohl du vorher schon bei fünf verschiedenen Produkten nach dem Preis gefragt hast.

Dasselbe gilt bei Heiratsanträgen.. Diese sind zwar oft ein klein wenig aufdringlich, aber sie werden letzten Endes mehr oder weniger akzeptiert. Diese verlaufen eigentlich immer gleich. Man wird mit einem kurzen „Wie geht’s?“ in Smalltalk verwickelt und die Fragen werden dann ein bisschen präziser: „Woher kommst du? Hast du eine Familie? Einen Mann? Kinder? Nimmst du mich mit nach Österreich? Willst du mich heiraten?“ Ein wenig spannender wurde die Sache, als mein Zem (Mopedtaxifahrer) während der Fahrt anfing, mich auszufragen. Als ich dann mit Verständnisproblemen auszuweichen versuchte, hielt er einfach mal an, um mir einen Antrag zu machen. Nach etlichen Minuten der Herausrederei gab er es auf und die Sache schien abgehakt. Nach kurzer Fahrt der nächste Halt, denn es könnte doch sein, dass ich noch heiratsfähige Schwestern, Cousinen oder Töchter habe.? Allerdings ist es schwierig, dann noch höflich und vor allem unsarkastisch zu bleiben, wenn man sich auf dem Weg zur Arbeit befindet und sich die Gedanken um ganz andere Sachen als Ehe und Familienplanung drehen. Beim letzten Versuch meine Handynummer zu erfragen, war ich zum Glück schon abgestiegen und konnte „fliehen“. Aber natürlich muss man auch bedenken, dass es hier als der Schlüssel zum Glück angesehen wird, eine Ehe in den reichen Westen einzugehen.

So weit so gut.. zu unserer neusten Errungenschaft in der Volontärshöhle: eine Gitarre! JA, Anita ist glücklich! Heute hatten wir schon unseren ersten Liederabend mit Liedern auf Deutsch und Englisch – zwei Sprachen, die in dieser Welt hier nicht existieren und die man auch unter den Leuten zu meiden versucht, da man sofort als Tourist und Yovo abgestempelt werden würde.